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Mehr Fahrgäste , weniger Geld

Verkehrsbetriebe sehen Sättigungsgrenzen - und wollen Modellstadt für Hybrid-Fahrzeuge werden 


Verlag:

Medium
(Zeitschrift, Zeitung etc.):

LEIPZIGER VOLKSZEITUNG


Details:

Mehr Fahrgäste , weniger Geld
Verkehrsbetriebe sehen Sättigungsgrenzen - und wollen Modellstadt für Hybrid-Fahrzeuge werden

Jahr: 2007
Nummer:
Datum: 23.6.2007
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Land:

DE: Deutschland


Inhalt:

Mehr Fahrgäste, weniger Geld Verkehrsbetriebe sehen Sättigungsgrenzen - und wollen Modellstadt für Hybrid-Fahrzeuge werden Leipziger Verkehrsbetriebe 2002 2003 2004 2005 2006 Jährlicher Fehlbetrag der LVB in Mio. Euro -59,67 Grafik: Enzo Forciniti -60,72 -62,74 -69,43 -68,47 Quelle: LVB Die LVB treten auf die Kostenbremse und haben ihren Subventionsbedarf verringert. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben ihren Subventionsbedarf verringert. Mit 59,6 Millionen Euro wurde im vergangenen Jahr reichlich eine Million Euro weniger benötigt, hieß es am Freitag bei der Präsentation der Unternehmensbilanz. Außerdem sei es gelungen, rund zwei Millionen Fahrgäste mehr in Bussen und Bahnen der LVB zu befördern. „Unsere Fahrgastzahl ist im vergangenen Jahr von 123,3 auf 125,2 Millionen angestiegen", verkündete LVB-Hauptge-schäftsführer Wilhelm Georg Hanss und betonte, dass dieser Zuwachs nicht nur der Fußball-Weltmeisterschaft geschuldet sei. Gleichzeitig gab er aber bekannt, dass der seit 1998 anhaltende Anstieg voraussichtlich in diesem Jahr zum Stillstand kommen wird. Der milde Winter habe offenbar zahlreiche Studenten verführt, mehr mit dem Fahrrad als mit den Bussen und Bahnen der LVB zu fahren, vermutete Hanss. Auch der kaufmännische LVB-Ge-schäftsführer Klaus Heininger konstatierte „Sättigungstendenzen" beim Fahrgastaufkommen: Da jeder fünfte Leipziger Stammkunde der LVB ist, gebe es „nicht mehr viel Spielraum nach oben", so Heininger. In Teilsegmenten wie dem Schülerverkehr müsse sogar mit Rückgängen gerechnet werden, weil die de- mografische Entwicklung die Schülerzahlen sinken lasse. Darüber hinaus stoßen die LVB offenbar auch finanziell an Grenzen: Um das Investitionsprogramm für die Fußball-WM zu schultern, wurden die Rücklagen vollständig aufgebraucht - 28 Millionen Euro, die das Unternehmen durch Cross-Border-Leasing-Geschäfte eingenommen hatte. Auch die Verschuldung der LVB habe Ende 2006 mit 49,3 Millionen Euro eine Grenze erreicht, die aus kaufmännischer Sicht nicht überschritten werden sollte, sagte Heininger. „Unsere Ausgaben für den Schuldendienst sind dadurch bereits deutlich angestiegen", warnte er. Hauptgeschäftsführer Hanss räumte auf Nachfrage ebenfalls ein, dass der fi- nanzielle Spielraum eng begrenzt ist. Künftig könnten praktisch nur die rund 20 Millionen Euro investiert werden, die die LVB aus eigener Kraft beisteuert, rechnete er vor. Ein ähnlich hoher Betrag könne mit Fördermitteln aufgebracht werden - also insgesamt rund 40 Millionen Euro. In den vergangenen beiden Jahren wurden noch 78,8 (2005) beziehungsweise 52,2 Millionen Euro (2006) in Infrastruktur und Fahrzeuge investiert. „Wir hoffen, dass die Dämonisierung bestimmter Geldbeschaffungsmaßnahmen auf ein normales Maß zurückgeht", sagte Hanss und meinte damit offensichtlich Finanzaktivitäten wie Cross-Border-Geschäfte. „Außer Roulettespielen und Poker gibt es vieles, das wir tun könnten, um Geld für die LVB zu beschaffen." Dass viel Geld benötigt wird, machte Technik-Geschäftsführer Ronald Juhrs klar. Wenn das aktuelle Beschaffungsprogramm für Straßenbahnen im nächsten Jahr ausläuft, würden noch immer 200 alte Tatra-Bahnen in Leipzig rollen, sagte er. Weil der Stadtrat darauf drängt, diese Fahrzeuge bis zum Jahr 2015 aus dem Verkehr zu ziehen, würden 175 bis 200 Millionen Euro für Ersatzinvestitionen benötigt. Weitere 200 Millionen Euro seien notwendig, um das Stadtbahnnetz auszubauen und auch der Bushof Lindenau müsse in den nächsten fünf Jahren dringend mit Millionenaufwand saniert werden. Zusätzlich stehe noch das Auswechseln eines Großteils der Busflotte an. „In den Jahren 2009 bis 2012 müssen 55 bis 60 Gelenkbusse ersetzt werden", sagte Juhrs. „Wir wollen dann Hybrid-Fahrzeuge anschaffen." Deshalb forderte Wilhelm Georg Hanss den Freistaat, den Bund und die Europäische Union auf, Leipzig zu einer Modellstadt für schadstoffarme Hybrid-Fahrzeuge zu machen. Leipzigs Ex-Oberbürgermeister und heutiger Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) habe zugesagt, mit den LVB über dieses Thema zu diskutieren. Auch die EU signalisiere Interesse, so Hanss. Andreas Tappert > Standpunkt


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